Robert „Eifel-Yeti“ Leunissen

(12. Dezember 1963 – 16. Februar 2013)

 

Robert „Eifelyeti“ Leunissen hat uns verlassen. Er starb in Frieden und Würde am 16. Februar 2013. Wer ihn kannte, wusste um seine gesundheitlichen Probleme und auch darüber, dass es letztendlich keine Hilfe geben konnte. Er selbst wusste das am allerbesten.

Er war ein ganz besonderer Mensch, und wir alle schätzten und mochten ihn. Und wir werden ihn ganz gewiss niemals vergessen.

Etwas ganz Besonderes war für mich seine immerwährende gute Laune – ich hab in all den Jahren nie erlebt, dass er „schlecht drauf“ gewesen wäre. Robertchen war ein Original von seltener Qualität, immer direkt, ehrlich, geradeaus, hilfsbereit, laut und herzlich, trinkfest, voller guter Ideen und auch voller Blödsinn. Hier in Bayern sagt man „Pfundskerl“ zu so einem Typen.

Er war bereits zu Lebzeiten eine Legende – unzählige Geschichten und Histörchen gab/gibt es zu erzählen. Manchmal ging es da durchaus ein wenig derb zu, aber eines war es nie: Langweilig! Bei der Eifel-Exkursion 1991 – wir waren mit einem großen Reisebus unterwegs – führte er uns mitten auf das Betriebsgelände eines großen Steinbruches, zur Arbeitszeit. Überall Leute, Autos, Betrieb eben. Robertchen sagte links, rechts, links, hier halten – „und jetzt macht mal, Leute, jeder nimmt sich ein Schippchen, und dann schnell weiter...“. Das war die Lokalität „Blechhütte“, und wir nahmen mitteldevonische Mergel von hier mit wegen der reichen Mikrofauna (vor allem Stachelhäuter-Reste). Äh, waren wir angemeldet oder was? „Angemeldet, wofür das denn? Kein Mensch denkt, dass hier ein Reisebus ohne Anmeldung reinfahren würde...“.

Links auf einer der Petrefakta-Veranstaltungen. Rechts oben Robert zusammen mit einem guten Freund, Ben Duppen, bei Richters 1990. Irgendwas passt ihm scheinbar nicht - Vorsicht – könnte sein, dass er beisst! Rechts unten nochmals ein Petrefakta-Bild.

Ich kannte ihn seit den späten achtziger Jahren. Er besuchte uns mehrmals hier in Augsburg, wir trafen uns auf Börsen und er leitete 1991 eine Eifel-Exkursion für Richter-Reisen. Das waren allesamt ganz besondere Erlebnisse!

Eifel-Exkursion 1991: Gruppenbild vor dem Gasthaus zur Tröht in Gees, ein traditioneller Sammlertreff. Der Chef Robert steht ganz rechts. Dazu: Im Verlaufe der von ihm geführtem Eifel-Exkursion nahm er die quiekende Frau Erkens, setzte sie sich wie ein Kind auf den Arm und meinte: "Sie wiegen ja kaum so viel wie ein Ferkelchen...". Frau Erkens sehen wir auf dem Bild vorne rechts der Mitte, in der hellen Jacke.

Der Eifel-Yeti in seinem Element, über die steinigen Eifel-Felder robbend, von Erdmann bedroht (was macht der überhaupt mit einem Hammer auf dem Feld?). Und auf dem Bild in der Mitte sehen wir, wie Robert einen Zaun in Ordnung bringt - solche Sachen wie kaputte Zäune kann er schon gar nicht leiden: Ordnung muss sein! Rechts war er wieder mal voll im Dreck, der Bub!

Na ja, die Exkursion im Herbst 1991 war teils schon ein wenig schmutzziehend, wie man am Robert sieht. Aber ganz klar, wer sich einbringt und was tut, wird eben schmutzig. Bernd Sendzik und Giesbert Hohns sehen sauber aus, die waren also faul.

Fällt in Sammlerkreisen das Wort „Eifel“ im personenbezogenen Sinn, dann kommt automatisch „Yeti“ nach - Robert war der „Eifel-Yeti“. Unter diesem Namen kannten ihn alle Fossiliensammler. Er war in weiten Sammlerkreisen bekannt und beliebt, ein witziger Bursche, der nicht nur durch seine Größe auffiel. Es gibt wohl kaum Sammler in Deutschland, die ihn nicht kennen, ganz bestimmt aber keine Sammler, die in der Eifel unterwegs sind.

Robertchen stammte aus einem netten Elternhaus - alle sind groß bis riesig, außer der „zwergwüchsigen“ (= normal) Schwester Helma ("...man musste immer aufpassen, wenn man sich hinsetzte, damit sie nicht zerdrückt wurde..."). Lehre, dann Arbeit im Stahlbau und in einer Gießerei, bis ihn Probleme mit den Bandscheiben für derlei Dinge untauglich machen (glücklicherweise aber nicht fürs Fossiliengraben - schonend natürlich).

Von Kindesbeinen an sammelte er in der Eifel. Alles Fossile wurde mit nach Hause genommen. Mit einigen Zwischenhalten (auch ein bisschen Rockern) ging das so weiter. Sein besonderes Gebiet aber wurden die Crinoiden, die er weltweit und aus allen Schichten sammelte, wobei allerdings auch hier das Eifeldevon ganz eindeutig einen Schwerpunkt bildete.

Seine Kenntnis von Lagerstätte, Schicht und Fossil war unglaublich. Er fand ganz besondere Fossilien, und wenn wissenschaftlich bedeutsame Stücke dabei waren, gab er sie auch bereitwillig an Fachleute ab zur Bearbeitung. Entsprechend wurden auch viele neue Arten zu seinen Ehren benannt. Einige Beispiele:

Die Schnecke Nodeuomphalus leunissi HEIDELBERGER & BANDEL, 1999, aus dem Mitteldevon der Eifel;
der Edrioasteroide Timeischytes leunisseni GRIGO, 2000, der Erstnachweis der Gruppe aus dem Mitteldevon der Eifel;
die Schnecke Auricularia leunissi HEIDELBERGER, 2001, aus dem Mittelvon der Eifel;
der Trilobit Coltraneia leunisseni BASSE, 2003, aus dem Unterdevon der Eifel;
der Trilobit Nyterops yetieifeliensis BASSE, 2006, aus dem Mitteldevon der Eifel;
die Bryozoe Intrapora leunisseni ERNST, 2008, aus dem Mitteldevon der Eifel.

Durch seine rege Sammeltätigkeit baute sich Robert viele Kontakte auf. Er arbeitete mit Museen und Instituten zusammen, half wo er konnte und stellte auch Fossilien zu Ausstellungs-Gestaltungen zur Verfügung. Für die Neueinrichtung des Augsburger Naturmuseums z.B. lieferte er reichlich Material; fürs Riffmuseum Gerstetten baute er höchsteigenhändig ein devonisches Korallenriff auf.

Sowohl beim Sammeln wie auch bei der Präparation leistete er Besonderes. Acker-Fundstellen beging er nicht, nein, er kroch durch die Furchen und achtete akribisch auf den Kleinkram. Aber er konnte natürlich auch hinlangen – wenn man ihn graben sah, wurde man vom Zuschauen müde. Gerne sammelte er an der berühmten „Rommersheimer Trasse“, in Sötenich und sonstigen Steinbrüchen in den Eifelmulden. Er entwickelte eigene Präparations-Methoden zum Beispiel für die Korallen aus dem Meerbüsch. Aber er fuhr auch mal weit weg zum Sammeln, z.B. zur berühmten Crinoiden-Lokalität Clitheroe in Nordwest-England, nach Italien und Frankreich, nach Tschechien, nach Ungarn und nach Gotland.

Über das Interesse an den Fossilien hinaus war er umfassend an der Natur interessiert. Er wusste Bescheid über die Pflanzenwelt der Eifel (mit Schwerpunkt Orchideen) und über Insekten und Spinnen. Ich denke mit großem Vergnügen zurück an einen Vortrag über „Flora und Fauna der Eifel“, gehalten 1991 damals in Prüm.

Er wird uns sehr fehlen und wir werden ihn nicht vergessen!
Irgendwie wird er bei uns bleiben...

Auf der Börse in Saine-Marie-aux-Mines. Robertchen mit einer seiner Größe angepassten Platte mit Seelilien aus dem Devon Marokkos.

Es darf auch mal ein Gläschen Wein sein, ein Roter aus dem Elsass. Kann man das trinken? Probieren wirs direkt mal... Na also, geht doch!

Robertchen auf der Petrefakta, wo sein Tisch immer gut war für Überraschungen und Interessantes. Eingeblendet ein Bild von der Börse in Bergisch-Gladbach.

Na, da kann er aber mal lachen, unser Robert!

Abends dann beim Essen in der Kneipe - das war immer sehr stimmungsvoll und sehr laut...

Dr Jekyll & Mr. Hyde - na ja, Robertchen konnte schon auch grantig schauen...

Wir zeigen im folgenden hervorragende Präparations-Arbeiten von Robert Leunissen - Sammelstücke des Jahres 2009. Die Korallen stammen aus dem Mitteldevon (Givet, Loogh-Schichten) der Hillesheimer Mulde. Sie mussten mit hohem Aufwand aus einem Crinoidenreste führenden verbackenen Kalkmergel freigearbeitet werden, was er meisterhaft konnte.

Links eine Lateral-Ansicht der Art Macgeea bathycalyx (Höhe 8 cm). Rechts Thamnophora sp.

Draufsicht auf die Koralle der Art Macgeea bathycalyx.

Remesia sp.; ein graziler Korallenstock in zwei Ansichten (Höhe 6 cm).

Tschüss, Alter!

 

Fotos A.E.R. & Walther F. Zenske.

 

 



 

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